Archiv für Mai 2010
Knöllchen-Steinbrech
Knöllchen-Steinbrech
Saxifraga granulata
Freundschaft
© Silvia Friedrich
Als saft’ge Wiese liegt er da,
der Rasen von Herrn Hawelka.
Zehn Meter lang und zwanzig breit,
kein Unkraut stört die Sauberkeit.
Ein Grün, viel grüner noch als Grün
und könnt’ er’s, würd’ der Rasen blühn
und mit den Blüten um sich schmeißen,
nur – Hawelka würd’ raus sie reißen.
Grashalme sind genau vermessen,
nichts biegt sich gegen seine Norm.
Wenn Hawelka ‘was platt gesessen,
nimmt er die Harke für die Form.
So lebt in Eintracht und ganz friedlich
das Gras, der Gärtner und sein Mäher
und jeder Vogel, oft sehr niedlich,
selbst der verfressene Eichelhäher,
betritt den Rasen nur mit Schuh’n
und stört so nicht das Sonntagsruhn’,
das dem Gemähe folgt hernach.
Der Gartenamsel schlüpft ein „Ach“
aus Schnabel und in voller Not,
auf diesem Rasen: Wurmverbot!
Der Hawelka, die Hand voll Blasen,
betrachtet glücklich seinen Rasen.
Hier wird gezupft und dort gerissen,
da manikürt, Gerät zerschlissen
bis alles, alles eben ist.
Und jedem, der es sieht, fällt ein,
das Grün hier muss aus Plastik sein.
Inmitten seel’gem Gärtnerglück
bewegt sich etwas, nur ein Stück.
Dann wieder Stille!
Was war das?
Wer traut sich, diesen Rasennaben
von unten etwas anzuhaben?
Es ruckelt, zuckelt, fast ein Beben!
Die Erde scheint sich anzuheben,
so mittendrin. Es ist kein Scherz.
Der Hawelka fasst sich ans Herz.
Erst mault es und dann wirft es auch,
wie es bei Maulwürfen so Brauch.
Es wühlt und schaufelt wie ein Kind
und das ganz schwarz und beinah’ blind.
Doch unser Tier hat nicht vermut’,
dass so ein Mensch wie Hawelka
der Maulwurfplage überdrüssig
den Kampf beginnt nun bis auf’s Blut.
Schon holt der Gärtner Schweres her,
der Spaten blitzt im Sommerlicht
der Maulwurf schwitzt und will noch nicht
sein kurzes Leben so beenden
und will entfleuchen weit weit fort,
dem Gärtner steht der Sinn nach Mord.
Das Pelztier, es rennt hin und her
in seinen Gängen kreuz und quer.
Hat Schlimmes es denn hier verbrochen,
als es wie die Natur es lehrt,
ganz harmlos durch die Erd’ gekrochen,
was ist denn daran bloß verkehrt?
Es kollidiert mit Gärtnernorm,
das muntere Wühlen untertags,
es zählt nur eine grade Form,
ein Hügel nicht, denn keiner mags.
Nach einer Weile hört es auf,
der Maulwurffang im Dauerlauf.
Der Gärtner will nichts mehr besiegen
Was ist passiert, fragt man sich nun?
Soll dieser Rasen Löcher kriegen,
und Hawelka wird gar nichts tun?
Der sitzt in seinem Grase jetzt,
der Tötungswahn scheint abgewetzt.
Er schaut ins Löchlein unter sich
und freut sich scheinbar königlich.
Da hat sich unter Rasenpracht
das Maulwurfleinchen breit gemacht,
und bietet seine Freundschaft dar.
Herr Hawelka sagt glücklich ja,
war er doch stets nur ganz allein
und will ein Freund jetzt lieber sein.
Nun leben sie als schönes Paar,
der Maulwurf und Herr Hawelka.
Er gärtnert glücklich und nicht dumm
um alle Maulwurfshügel rum.
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Die Aufnahme entstand am 04. Mai 2010 auf der Sulzbachtalaue in Dudweiler.
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Acker-Krummhals
Acker-Krummhals
Anchusa arvensis
Auch: Acker-Ochsenzunge, Acker-Wolfsauge, Lycopsis arvensis, Englisch: Commong Bugloss, Small Bugloss, Wild Bugloss
Laut Wikipedia: Enthält möglicherweise Pyrrolizidinalkaloide, die Krebs verursachen und als Lebergifte gelten. Vergiftungen sind keine bekannt
Aramesh. Aus Deinem Garten kosten
© Barbara Naziri und Karl-Heinz Franzen
Du pflanzt den Sommer in die Herzen
und füllst die Räume mit Deinem Licht,
erweckst Erstarrtes zum Leben und
entwirrst den Knoten mit leichter Hand.
Wenn Du sprichst, kehrt Ruhe in mein Herz.
Gib die Richtung an, und ich folge Dir
blind, kuschele mich in Deine Nähe
und genieße Dein warmes Lachen.
Ich greife nach Deiner Hand, die mir
den goldenen Saibling entgegenhält.
Lass uns schlemmen und von den reifen
Erdbeeren aus Deinem Garten kosten.
Schwalben gleiten durch den Sommerhimmel.
Wärest Du Schwalbe und ich Mücke,
sagte ich Dir: ‘Was auch geschieht,
ich habe gelebt!’
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Die Aufnahme entstand am 5. Mai 2010 auf der Sulzbachtalaue in Dudweiler.
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Reiherschnabel
Reiherschnabel
Erodium sp.
Man nehme …
© Katharina Britzen
Man nehme
eine Prise Vogelsang,
dazu ein Fuder Tatendrang,
kippe eine Kelle Morgentau
in das unendlich Himmelsblau,
verknete eine Handvoll Fröhlichkeit,
zudem ein Bündel Veilchen halt bereit,
in den Rucksack zwei Pfund Wanderlust,
hinweg mit diesem Doppelzentner Frust,
gieß’ nen Bottich Liebesglück hinzu,
dann vergehn drei Körner Leid im Nu,
verrühr‘ es mit der Flasche Sonnenschein,
das Ganze in ein Faß mit Lachen rein,
verzier es mit fünf Schmetterlingen,
traue dich, drei Lieder laut zu singen,
spinne ein, zwei Kilometer Zuversicht,
komponier ein Vierzeiler-Reimgedicht,
vermische alles mit zehn Spritzern Grün
und du wirst sehn, nicht allein die Hoffnung,
auch die Anemonen, Tulpen, Hyazinthen
werden blühn.
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Das Foto entstand am 21. April 2010 auf der Sulzbachtalaue in Dudweiler.
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Doldiger Milchstern
Doldiger Milchstern
Ornithogalum umbellatum
Hätte so gern
© Claudia Duhonj-Gabersek
Hätt’ gern geschrieben
von alten Lieben
und Wünschen, warmen
im morschen Jetzt.
Hätt’ gern gesungen
doch’s klang gesprungen
zum Gotterbarmen
ich schwieg entsetzt.
Hätt’ gern getanzt
mich fest verschanzt
in Deinen Armen
an Dir gewetzt.
Hätte so gern
alles, was fern,
im Gestern kramen
bleibt mir zuletzt.
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Die Aufnahme entstand am 30. April 2010 auf der Sulzbachtalaue in Dudweiler.
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Patricia KoelleDie Füße der Sterne



